Gesundheitswirkung von Grünem Tee

Catechine sind die interessante Wirkstoffe

Catechine sind eine interessante Klasse chemischer Verbindungen in Grüntee. Man nimmt an, dass diese Stoffklasse für eine grosse Bandbreite unterschiedlicher Wirkungen auf die Gesundheit verantwortlich ist - darunter Schutz der Nervenzellen, Entzündungshemmung, Hemmung von Geschwüren und antimikrobielle sowie antivirale Wirkung. Das Catechin, dessen Gesundheitswirkung am besten untersucht wurde, ist Epigallocatechin-3-gallat (EGCG), einer der wichtigsten pflanzlichen Inhaltsstoffe in Grüntee. EGCG ist ein wirkungsvolles Antioxidans und Hemmer von unterschiedlichen Enzymen wie Histon-Acetyltransferase, DNA-Methyltransferase, Fettsäure-Synthase,  Glutamat-Dehydrogenase und Topoisomerasen (I und II). ECGC wechselwirkt zudem mit den sogenannten "epidermal growth factor" Rezeptoren (ErbB-1 und ErbB-2), die sich in einigen Tumorarten finden lassen. Es gibt Anzeichen, dass für EGCG therapeutische Anwendungsmöglichkeiten in der Behandlung von einigen Krebsarten, chronischem Erschöpfungssyndrom, Endometriose, Neurodegeneration, Läsionen der Zahnwurzeln, Regulierung der Virenmenge bei HIV, Sjögrens Syndrom und der spinalen Muskelatrophie existieren.

Epigallocatechin 3-gallate (EGCG)

Die nah verwandte Verbindung Gallocatechingallat (GCG) wird durch Epimerisierung von EGCG gebildet. Epimerisierung bedeutet, dass sich die räumliche Anordnung von Molekülteilen ändert - was in diesem Fall bei hohen Temperaturen passiert. GCG werden einige Gesundsheitseffekte zugeschrieben, oftmals sogar stärkere Wirkung als von EGCG.

Gallocatechin 3-gallate (GCG)

Mundraumhygiene und antibakterielle Effekte

Wenn Bakterien wie Streptococcus mutans Karies verursachen, so bilden sie zuerst ein Polymer aus Zuckerbausteinen, das auf der Zahnoberfläche haftet (Plaque). Anschliessend produzieren die Bakterien Milchsäure, welche den Zahn angreift. Wird in eine verdünnte Zuckerlösung ein Glasträger eingebracht, der mit S. mutans beimpft ist, so bildet sich auf dessen Oberfläche eine Plaque-Schicht. Wird hingegen eine zuckrige Lösung von Grünem Tee verwendet, ist die Entstehung von Plaque sichtbar gehemmt. Eine normale Tasse Tee hat eine Catechin-Konzentration von 500-1000 ppm (Teile pro Mio Teile), aber selbst bei achtfacher Verdünnung bildet sich nur eine geringe Menge Plaque. Grund hierfür ist die direkte Hemmung eines Enzymes des Kariesbakteriums durch die Polyphenole im Tee.

Grüntee-Polyphenole wie Catechine und im Besonderen EGCG und Epicatechingallat (ECG) können das Wachstum einer grossen Bandbreite von Gram-positiven und Gram-negativen Bakterien hemmen. Hinweise mehren sich, dass diese Moleküle in der Behandlung von oralen Infektionen wie Karies und Zahnfleischerkrankungen nützlich sind. Selbst verdünnte Konzentrationen von EGCG und ECG unterdrücken die Bildung bakterieller Virulenzfaktoren und können sogar die Resistenz des Staphylococcus aureus-Krankheitserregers gegenüber β-Lactam-Antibiotika aufheben. Zum Beispiel machen geringe Konzentrationen von ECG, die problemlos im klinischen Alltag zu erreichen sind, methicillin-resistente S. aureus wieder gegen Oxacillin und andere β-Lactame empfindlich. Man nimmt an, dass Catechingallate wie ECG in die Phospholipid-Doppelschicht der Zellmembran eingebaut werden und dann wichtige Funktionen der bakteriellen Zellmembran stören.2 Die antibakterielle Wirkung von Epicatechingallat in Gegenwart von Oxacillin führte zum Absterben der Keime.3

Epicatechin 3-gallate (ECG)

In Studien in Zusammenhang mit Mundhygiene wurde beobachtet, dass Teecatechine eine wahrnehmbare Wirkung gegen Mundgeruch ausüben. Sowohl schlechter Atem (ausgelöst durch die chemische Verbindung Methanthiol) als auch fischige Gerüche (Trimethylamin) gingen zurück.4,5

Krebsarten im Verdauungstrakt und Magengeschwüre

Laut einer Studie verringerten Catechine aus Tee, die oral an Versuchstiere verabreicht wurden, die Entstehung von Krebsarten im oberen Verdauungstrakt wie Speiseröhrenkrebs und zudem Magenkrebs. Effekte in Menschen müssen noch bestätigt werden.6 Dieselben Forscher beobachteten zudem, dass die Bevölkerung der Shizuoka-Präfektur in Japan mit einer im nationalen Vergleich um 20% verringerten Wahrscheinlichkeit an einem Magenkarzinom sterben. Das Gebiet ist die führende Teeanbau-Region in Japan - bekannt für Kawane-Grüntee - dessen Einwohner täglich eine beträchtliche Menge des Tees geniessen. In neueren Studien wird vermutet, dass das Bakterium Helicobacter pylori neben Entzündungen der Magenschleimhäute auch Magenkrebs verursacht. In-vitro-Versuche mit H. pylori, zeigten, dass bereits geringe Mengen Teepolyphenole die Vermehrung des Erregers hemmen.7 Mit 34 Trägern dieses Bakteriums konnte schliesslich gezeigt werden, dass mit einer täglichen Aufnahme von 700 mg Catechinen - was einer Menge von 10 Tassen Tee entspricht - sich die Zahl der Bakterien über einen Monat hinweg signifikant verringerte und in sechs Probanden die Bakterien nicht mehr festzustellen waren.

Blutzucker, Fettleibigkeit und Diabetes

Die Polyphenole des Tees durchwandern den Magen und werden dann im Dünndarm partiell in den Körper aufgenommen. Der grösste Teil der Teeinhaltsstoffe wandert aber durch den gesamten Darm, wo sie die Hauptwirkung entfalten. Im Dünndarm hemmen Teecatechine Verdauungsenzyme, die in der Umwandlung von Kohlenhydraten eine Rolle spielen - namentlich die α-Amylase, die von der Bauchspeicherdrüse freigesetzt wird, und die Invertase, die in der Dünndarmwand gebildet wird. In Versuchen mit Ratten konnte festgestellt werden, dass der Blutzuckerspiegels nach Fütterung mit Stärke oder Rohrzucker (Saccharose) weniger stark zunahm, falls zuvor Catechine verabreicht wurden.8

Eine 12-wöchige, tägliche Einnahme von 690 mg Catechinen über Tee reduziert den Körperfettanteil, was zeigt, dass die Aufnahme von Catechinen zur Vorbeugung und Besserung von Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht nützlich ist.9 Somit lassen sich Teecatechine aufgrund ihrer Wirkung möglicherweise zur Kontrolle von Blutzuckerspiegeln und in Diäten nutzen.

Die Effekte von Tee bei Übergewicht und Diabetes lassen auf jeden Fall aufhorchen. Teecatechine wie EGCG haben sowohl übergewichtsmindernde als auch antidiabetische Effekte. Allerdings wurden Auswirkungen auf die Gesundheit erst in wenigen Studien nachgewiesen, mögliche Einsatzgebiete basieren auf unterschiedlichen Labordaten. Die Wirkung von Grüntee kann durch Veränderung der Energiebilanz, im Hormonsysten, bei der Nahrungsaufnahme und Metabolismus, durch Reduktion freier Radikale, oder durch Aktivität in spezifischen Zelltypen (Fett-, Leber-, Muskelzellen oder die Inselzellen der Bauchspeicheldrüse erklärt werden. EGCG wechselwirkt übrigens spezifisch mit dem 67-kDa Laminin-Rezeptor [LR], der zusammen mit anderen LR im Cytoskelett von Krebszellen als auch normalen Zellen gefunden wurde. Dies könnte die grosse Bandbreite an Wirkungen von EGCG erklären.10

Stärkung des Herz-Kreislauf-Systems

Studien zeigten eine positive Beeinflussung des Herk-Kreislauf-Systems durch den Genuss von grünem Tee.11,12 Die Wirkung der Catechine im Tee in der Vorbeugung und Behandlung von Erkrankungen des Herzkreislaufsystems wurde untersucht, die Tee-Inhaltsstoffe scheinen über mehrer Mechanismen eine Schutzfunktion auszuüben: sie wirken antioxidativ, blutdrucksenkend, enzündungshemmend, hemmend auf die Zellteilung, blutverdünnend und die Blutfett-Konzentration senkend.

Catechine im Tee können:
• eine antioxidative Wirkung durch Abfang freier Radikale ausüben, Redox-aktive Übergangsmetalle binden, und Redox-aktive Enzyme hemmen
• Schlüsselenzyme der Lipid-Biosynthese hemmen und die Aufnahme von Fetten im Verdauungstrakt senken, wodurch der Blutfettspiegel sinkt
• die Freisetzung von Stickstoffmonoxid (NO) fördern - ein Botenstoff, der die Erweiterung der Blutgefäße bewirkt und dadurch den Blutdruck sinken lässt
• Entzündungen der Blutgefässe mindern und dadurch Gefässverengungen vorbeugen. Die entzündungshemmende Wirkung könnte aufgrund der Verringerung der Haftung der Leukozyten an der Gefässwand hervorgerufen werden. Grünteecatechine wirken allgemein hemmend auf die Produktion von Zytokinen und Haftmolekülen der Zellwände.
• durch Wechselwirkung mit Zellwachstumsfaktoren, die bei Gefässverengungen eine Rolle spielen, die Bildung von glatten Muskelzellen entlang der Gefässe verringern
• die Haftung von Blutplättchen verringern und dadurch das Thrombose-Risiko heruntersetzen.

Kontrolle hoher Blut-Cholesterin-Werte

In einigen Tees erreicht der GCG-Anteil etwa 50% der Gesamtmasse an Catechinen. In einer Studie, die den Effekt von GCG auf erhöhte Konzentrationen von Cholesterin, Triglyceriden und Lypoproteinen (Hyperlipidämie) und den Effekt auf den Abbau von Cholesterin in der Leber untersuchte, konnte nachgewiesen werden, dass EGCG in der Hitze zu etwa 50% in GCG umgewandelt wird.13,14 Bei Ratten, die aufgrund von Sacharose-reicher Ernährung HPL aufwiesen, wirkten sich GCG-reiche Tees positiv aus. Eine durch die Fehlernährung erhöhte Konzentration von Cholesterin und Triglizeriden in der Leber nahm nach Aufnahme von GCG stark ab. GCG führt zudem zur vermehrten Bildung und Aktivierung von LDL-Rezeptoren in der Leber, die für den Transport des LDL-Cholesterins in die Leberzellen sorgen. Somit konnte nachgewiesen werden, dass GCG-reiche Tees Hyperlipidämie durch Senken der Cholesterin-Konzentration in der Leber und im Blutplasma erfolgreich entgegenwirken können.13